CARRÉ PLANUNGSGESELLSCHAFT MBH

Aktuell

25.02.2021

Ist Holz eine Alternative im Gewerbe- und Industriebau?

Die Erkenntnis, dass die Holzbauweise nicht nur im Wohnbau sondern auch bei Gewerbebauten Vorteile in Sachen Nachhaltigkeit, Regionalität und Wirtschaftlichkeit hat, setzt sich selbst in Freiburg nur langsam durch. Das sollte sich ändern, meint Klaus Wehrle

Die Schnapsbrennerei Weis in Gutach besteht zu großen Teilen aus Holz.

Holz war in Zeiten der beginnenden Industrialisierung ein beliebtes Baumaterial, auch bei Gewerbebauten. In den 90´er und 00´er Jahren hat man Holz allenfalls bei der Inneinrichtung von Industriebauten eingesetzt. Heutzutage gewinnt der Holzbau, auch im Gewerbebau, aufgrund der für den Klimaschutz bedeutenden Nachhaltigkeitsüberlegung wieder an Bedeutung- zu Recht?

 

Holz hat viele Vorteile. Dieser Baustoff wächst nach, speichert CO2 und steht gerade in unserer Region nahezu unbegrenzt zur Verfügung. Deswegen allein eignet sich Holz jedoch noch nicht als sinnvoller Baustoff für den Industriebau. Es braucht noch weitere Qualitäten, wie große Tragfähigkeit, gute Eigenschaften beim Brandschutz sowie Widerstandsfähigkeit gegenüber chemischen Reaktionen.

 

Der Blick zurück auf baugeschichtliche Entwicklungen bringt spannende Erkenntnisse mit sich. Ende des 19. Jahrhunderts hatte man Holz als Baustoff im Gewerbebau aussortiert. Stahl war das Material der Industrialisierung, zeitgemäß und vor allem nicht brennbar. Dies verhinderte jedoch nicht, dass diese Gebäude aufgrund der Brandlasten innerhalb der Bauten trotzdem durch Feuer zerstört werden konnten. Ikonen der Baugeschichte aus Stahl, die vor allem bei Weltausstellungen präsentiert wurden sind verheerenden Bränden zum Opfer gefallen und man erkannte sehr schnell, dass die Widerstandsfähigkeit von Stahl gegenüber Holz beim Brandschutz nicht besser ist. Der Vorteil von Holzbauten ist sogar, dass sich durch eine dickere Ausführung der Holzbauteile eine berechenbare Widerstandsfähigkeit im Brandfall ergibt. Dies reichte jedoch nicht aus, um den Siegeszug von Stahlhallen in Deutschland zu stoppen. Durch industrielle Vorfertigung hatten die Stahlhallenhersteller große Vorteile.

 

Erst mit dem Bewusstsein für die Umwelt und dem gewaltigen Energieverbrauch, der mit der Materialproduktion von Stahl einhergeht, wurde Holz wieder zu einer ernsthaften Alternative. Diese wurde umso interessanter, je mehr neue Fertigungsverfahren und Konstruktionsvarianten für Holztragwerke entwickelt und durch industrielle Fabrikation auch wirtschaftlich konkurrenzfähig wurden. Damit kann man vor allem große Flächen ohne zusätzliche Stützen überspannen, für Industriegebäude ist das essenziell. Dass auch Büroflächen nun als Holzbauten erstellt werden können und dafür die baurechtlichen Vorgaben durch den Gesetzgeber angepasst wurden, erleichtert zusätzlich die Realisierung von ambitionierten Holzbauprojekten im Gewerbebau. Und das zu sehr wirtschaftlichen Kosten.

 

Leider hat man in Freiburg eine Chance verpasst: zumindest das Dachtragwerk des neuen Sportclubstadions hätte man in Holz ausführen müssen. Das wäre ein Zeichen gewesen, welches im ganzen Bundesgebiet Wirkung erzielt hätte. Trotzdem ist unsere Region auf einem guten Weg, was die Broschüre des Landes und der Architektenkammer „Holzbauten in Südbaden“ eindrücklich belegt.

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