CARRÉ PLANUNGSGESELLSCHAFT MBH

Aktuell

24.05.2022

Architektur im Wandel

Klimagerechtes Bauen heißt reduziertes Bauen. Durch die steigenden Anforderungen wird sich auch die Gestaltung von Gebäuden verändern und „weniger ist mehr“ wird zum Programm für zeitgemäße Gebäudekonzeption.

Die Sonne in Bleibach ist ein altes Gasthaus aus dem 19. Jahrhundert. Nach der Sanierung zum Wohnhaus bietet sie Platz für sieben Wohneinheiten.

Ludwig Mies van der Rohe hat sehr wahrscheinlich nicht an Ressourceneffizienz oder Klimaschutz gedacht, als er den vorher zitierten Aphorismus vor fast 100 Jahren zum Programm für sein Schaffen erhob. Vielmehr ging es ihm um eine aus den konstruktiven Notwendigkeiten entstehende Architektur, die auf das absolute Minimum reduziert ist. Damit lieferte er auch ein Konzept ab, das nahezu ideal für die aktuellen Anforderungen passt, denn Reduktion und Minimalismus sind hervorragende Prämissen, um klimagerecht zu bauen.

Dabei geht es nicht nur um einen verringerten Materialeinsatz, sondern auch um eine möglichst kompakte Gebäudeform, diese verbraucht rein physikalisch wenig Energie und sorgt durch eine geringe Gebäudeoberfläche auch für geringe Folgekosten. Dies bedeutet als Konsequenz, dass sich die Gebäudegestaltung durch das klimagerechte Bauen verändern wird. Die Bauten werden klarer, kubischer, einfacher. Daraus dürfen nun aber keine banalen Entwürfe werden. Aufgabe der ArchitekInnen wird es nun sein, dass sie aus diesem Bewusstsein heraus keine gesichts- und seelenlosen Kisten entwickeln. Es müssen vielmehr Gebäude entstehen, die den städtebaulichen Kontext sinnvoll ergänzen und die Menschen durch ihre Architektur und Materialität auch emotional ansprechen.                                            

Grundsätzlich muss uns jedoch auch bewusst sein, dass der Schwerpunkt der Arbeit von ArchitektInnen in Zukunft vielmehr auf dem Erhalt und der Sanierung, sowie Umgestaltung von bestehender Bausubstanz liegen wird und muss. Nur so sind die ambitionierten Pariser Klimaziele überhaupt zu erreichen. Die Erhaltung von Gebäudebestand ist gleichbedeutend mit der Verwendung sowie der Sicherung bereits verbauter Energie und somit ressourcen- und klimaschonend. Architektonisch können durchaus reizvolle Lösungen entstehen, denn bestehende Bauten bringen aufgrund ihrer Substanz und Detailgestaltung oft schon einen gewissen Charme mit. Im Grunde ist dies auch nichts Neues. In der Vergangenheit konnte man aufgrund von Ressourcenknappheit selten an Neubauten denken. Das Bestehende wurde vielmehr weitergenutzt und allenfalls ergänzt.

Im Freiburger Münster vereinen sich exemplarisch viele Bauepochen zu einem gelungenen Gesamtwerk. Dies bedeutet allerdings, dass sich die BaumeisterInnen von heute zurücknehmen müssen, damit der Gebäudebestand angemessen zu seiner Geltung kommen kann. Diese Entwicklung wird unser Berufsbild verändern. Die zukünftige Hauptaufgabe von Architektinnen und Architekten wird es vor allen Dingen sein, Bestehendes in die Zukunft zu entwickeln. Die Verbindung von alt und neu schafft dabei durchaus gestalterische Freiheiten und das „Konzept Abrissbirne“ weicht innovativen Nutzungen. Bauten müssen wieder eine Nutzungsdauer von Jahrhunderten erreichen. Aus diesem Grund ist die gesellschaftliche Diskussion über Qualität in der Architektur, insbesondere über Baukultur heute wichtiger denn je.

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